Burnout im Homeoffice: Neue Einsichten in die Auswirkungen von Arbeitsanforderungen und Ressourcen

Die Studie von Bogodistov, Moormann und Schweigkofler befasst sich mit den Effekten von Arbeitsanforderungen und Arbeitsressourcen auf Burnout und Schlafqualität bei Arbeit im Homeoffice. Die Ergebnisse liefern neue Einsichten dazu, wie Unternehmen ihre Mitarbeitenden dabei unterstützen können, mit veränderten Arbeitsbedingungen umzugehen.

Hintergrund: Zunahme von Burnout und Homeoffice während der Pandemie

Laut den Autoren ist die Anzahl der krankheitsbedingten Fehlzeiten aufgrund von Burnout in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Gleichzeitig hat sich durch die Corona-Pandemie der Trend zur Arbeit im Homeoffice massiv verstärkt. Viele Unternehmen sehen sich daher mit der Herausforderung konfrontiert, ihre Mitarbeitenden bei der Bewältigung dieser Veränderungen zu unterstützen.

Während Homeoffice vor der Pandemie eine freiwillige Option für mehr Flexibilität darstellte, wurde es plötzlich für viele zur Pflicht. Dieser Autonomieverlust kann sich negativ auf die Motivation auswirken und im Zusammenspiel mit anderen Faktoren wie der erschwerten Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu vermehrtem Stress und Burnout führen.

Theoretischer Bezugsrahmen: Das Job Demands-Resources Model

Als theoretische Grundlage beziehen sich Bogodistov et al. auf das Job Demands-Resources (JD-R) Modell. Demnach lassen sich die Arbeitsbedingungen von Mitarbeitenden in zwei Kategorien einteilen:

  • Arbeitsanforderungen (Job Demands): Aspekte, die Energie kosten, wie z. B. Zeitdruck oder emotionale Anforderungen.
  • Arbeitsressourcen (Job Resources): Aspekte, die Energie liefern, wie z. B. Handlungsspielraum oder soziale Unterstützung.

Laut dem JD-R Modell ist eine Balance zwischen Anforderungen und Ressourcen entscheidend, um Burnout vorzubeugen. Übersteigen die Anforderungen die Ressourcen, droht Überlastung und Erschöpfung. Fehlende Ressourcen können zudem Demotivation und Rückzug bewirken.

Studiendesign: Online-Umfrage in Südtirol und Tirol

Um die Effekte von Arbeitsanforderungen und -ressourcen auf Burnout und Schlaf im Homeoffice zu untersuchen, führten Bogodistov et al. eine Online-Befragung durch. Die Stichprobe umfasste 165 Personen, die pandemiebedingt zumindest teilweise von zu Hause aus arbeiteten. Sie kamen aus Südtirol und Tirol, zwei Regionen, die in der ersten Pandemiewelle besonders stark betroffen waren.

Die Autoren verwendeten standardisierte Fragen zur Erfassung von Burnout, Schlafproblemen, Arbeitsanforderungen und Ressourcen. Die Auswertung erfolgte mit Strukturgleichungsmodellen. Zusätzlich wurden Kontrollvariablen wie Alter, Geschlecht und Stundenzahl im Homeoffice einbezogen.

Zentrale Ergebnisse: Arbeitsanforderungen erhöhen Burnout

Die Studienergebnisse zeigen, dass Arbeitsanforderungen wie Zeitdruck oder emotionale Anforderungen im Homeoffice das Risiko von persönlichem und arbeitsbezogenem Burnout signifikant erhöhen. Arbeitsressourcen wie Handlungsspielraum oder soziale Unterstützung haben hingegen entgegen den theoretischen Annahmen keinen Effekt auf die Burnout-Prävention.

Des Weiteren führt arbeitsbezogener Burnout zu einem Anstieg von persönlichem, privatem Burnout. Letzterer wirkt sich direkt negativ auf die Schlafqualität aus, während sich arbeitsbezogener Burnout nur indirekt über den persönlichen Burnout auf Schlafprobleme auswirkt.

Insgesamt bestätigt die Studie das grundlegende JD-R Modell, zeigt jedoch auch, dass die Wirkmechanismen bei der Arbeit im Homeoffice differenzierter betrachtet werden müssen. Insbesondere klassische Arbeitsressourcen scheinen hier weniger vor Burnout und dessen Folgen zu schützen.

Interpretation und Implikationen der Ergebnisse

Die Befunde der Studie haben verschiedene Implikationen:

  • Sie zeigen, dass etablierte Modelle wie das JD-R Modell spezifisch auf die Bedingungen von Homeoffice angepasst werden müssen. Die klassische Trennung von Arbeit und Privatem ist hier aufgehoben, was andere Mechanismen nach sich zieht.
  • Unternehmen müssen neue Wege finden, um trotz räumlicher Distanz Ressourcen für ihre Mitarbeitenden im Homeoffice bereitzustellen. Klassische Ressourcen wie soziale Unterstützung scheinen ihre Wirkung hier teilweise zu verlieren.
  • Eine ausreichende Balance zwischen Anforderungen und Ressourcen bleibt entscheidend, um Burnout und dessen Folgen wie Schlafstörungen zu vermeiden. Hier sind neue Ansätze gefragt.
  • Die Fähigkeit zur Trennung von Arbeit und Privatleben spielt eine wichtige Rolle. Unternehmen sollten ihre Mitarbeitenden dabei unterstützen, beide Bereiche auch räumlich voneinander abzugrenzen.
  • Frauen nehmen Arbeitsanforderungen im Homeoffice stärker wahr als Männer und leiden häufiger unter der Aufhebung der Trennung. Hier gilt es, durch geeignete Maßnahmen gegenzusteuern.

 

Insgesamt verdeutlicht die Studie, dass im Homeoffice-Kontext weiterhin eine Balance zwischen Anforderungen und Ressourcen entscheidend ist. Die veränderten Bedingungen erfordern jedoch teils neue Ansätze, um psychische Belastungen und Burnout wirkungsvoll vorzubeugen.

Kritische Würdigung und Ausblick

Die Autoren diskutieren bestimmte Limitationen ihrer Studie, wie die eher kleine Stichprobe oder die Momentaufnahme während der Pandemie. Die Ergebnisse sollten daher repliziert werden. Zudem könnte die Liste der abgefragten Arbeitsanforderungen und -ressourcen erweitert werden.

Alles in allem liefert die Arbeit wertvolle neue Einsichten in die Burnout-Problematik bei Homeoffice während der Pandemie. Weitere Forschung ist nötig, um die langfristigen Folgen neuer Arbeitsformen auf die psychische Gesundheit zu untersuchen und wirkungsvolle Präventionsmaßnahmen zu entwickeln. Dabei sollten verstärkt auch untersucht werden, wie technologische Lösungen für eine bessere Work-Life-Balance im Homeoffice genutzt werden können.

Fazit

Die Studie von Bogodistov et al. zeigt, dass viele etablierte Arbeitsressourcen zur Burnout-Prävention im Homeoffice-Kontext ihre Wirkung verlieren. Stattdessen kommt es verstärkt auf die Balance zwischen Anforderungen und der Fähigkeit zur Trennung von Arbeit und Privatem an. Die Befunde verdeutlichen, dass Unternehmen neue Wege finden müssen, um ihre Mitarbeitenden im Homeoffice vor psychischer Erschöpfung zu schützen. Insgesamt liefert die Arbeit wertvolle Ansatzpunkte für weitere Forschung zu den langfristigen Folgen neuer Arbeitsformen.

Literatur: 

Bogodistov, Y., Moormann, J. & Schweigkofler, M. (2023). Burnout im Homeoffice: Auswirkungen von Arbeitsanforderungen und Arbeitsressourcen im Homeoffice auf Burnout und Schlafqualität. Z. Arb. Wiss. 77, 375–389. https://doi.org/10.1007/s41449-023-00373-7

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