Case Management: bedarfsgerechte Unterstützung

Case Management (auch Fallmanagement genannt) ist ein ganzheitlicher Ansatz, bei dem die individuelle Situation und die Bedürfnisse einer hilfebedürftigen Person im Mittelpunkt stehen. Ziel ist es, bedarfsgerechte Unterstützungsleistungen zu koordinieren und die Versorgung optimal abzustimmen.

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Das Vorgehen im Case Management

Innerhalb einer Organisation sowie im regionalen Versorgungsnetz verschiedener Akteure wird die konkrete Problemlage einer Person systematisch bearbeitet. Dabei werden professionelle Dienstleistungen gebündelt und aufeinander abgestimmt. Je nach Komplexität der Problemlage können die unterschiedlichsten Fachkräfte aus Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich, aber auch aus Justiz oder Verwaltung in ein Case Management einbezogen werden. Die Vielfalt der möglichen Akteure ermöglicht eine ganzheitliche, bedarfsgerechte Hilfestellung. Dazu gehören Sozialarbeiter, Psychologen, Lehrer, Ärzte, Pflegepersonal, Suchtberater und strafrechtliche Institutionen (Bewährungshilfe, Gerichtshilfe).

Der individuelle Unterstützungsbedarf wird unter Einbezug der persönlichen Wünsche und fachlicher Einschätzungen ermittelt. Alle Maßnahmen zielen darauf ab, die Lebenssituation der Betroffenen zu verbessern.

Mehrebenenprozess

Case Management erfolgt simultan auf mehreren Ebenen:

  1. Einzelfall-Ebene: Hier steht der konkrete Hilfebedarf einer Einzelperson im Mittelpunkt. Case Manager arbeiten eng mit der betroffenen Person zusammen, um ihre individuellen Bedürfnisse zu identifizieren und geeignete Unterstützung zu planen. Dies kann medizinische Versorgung, psychosoziale Hilfe, Wohnraum oder andere Dienstleistungen umfassen.
  2. Organisationsebene: Auf dieser Ebene geht es darum, organisationsinterne Strukturen und Abläufe anzupassen, um effiziente und effektive Hilfe zu gewährleisten. Case Manager arbeiten mit Teams, Abteilungen und Führungskräften zusammen, um Ressourcen zu optimieren und Hindernisse zu beseitigen.
  3. Netzwerkebene: Die Vernetzung aller relevanten Akteure ist entscheidend. Case Manager kooperieren mit anderen Organisationen, Behörden, gemeinnützigen Gruppen und Fachleuten, um die bestmögliche Unterstützung zu bieten. Dies kann die Koordination von Dienstleistungen, den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit bei komplexen Fällen umfassen.

Ausgangspunkt ist der konkrete Hilfebedarf im Einzelfall. Darauf aufbauend müssen organisationsinterne Strukturen und Abläufe angepasst werden. Zudem ist eine Vernetzung aller relevanten Akteure zur Koordination der Hilfen nötig. 

Generelles vs. begleitendes Case Management

Generelles Case Management konzentriert sich auf Steuerungs- und Koordinationsaufgaben. In dieser Rolle arbeitet der Case Manager eng mit verschiedenen Akteuren zusammen, um sicherzustellen, dass die benötigten Dienstleistungen für die Klienten verfügbar sind. Dies kann die Koordination von medizinischer Versorgung, sozialer Unterstützung, Wohnraum und anderen Ressourcen umfassen. Der Fokus liegt auf der Organisation und Optimierung von Prozessen.

Im Gegensatz dazu übernimmt der begleitende Case Manager zusätzlich direkte Dienstleistungen für die Klienten. Dies bedeutet, dass er selbst aktiv in die Betreuung und Unterstützung der Einzelpersonen involviert ist. Beispiele für begleitende Dienstleistungen können sein: psychosoziale Beratung, Hilfe bei der Jobsuche, Begleitung zu Arztterminen oder Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags.

In beiden Ansätzen ist die Vernetzung mit anderen Fachleuten und Organisationen entscheidend, um eine umfassende Versorgung zu gewährleisten. Der Case Manager arbeitet eng mit den Klienten zusammen, um ihre individuellen Bedürfnisse zu erfüllen, während er gleichzeitig die organisatorischen Abläufe optimiert.

Ausdifferenzierung je nach Fachbereich

Case Management ist ein vielseitiger Ansatz, der je nach Handlungsfeld unterschiedliche Ausprägungen aufweist. Es wird oft auch unter verschiedenen Begriffen wie Fallmanagement, Unterstützungsmanagement oder Lotsenmanagement diskutiert und praktiziert.

Hier sind einige wichtige Aspekte, die die verschiedenen Facetten des Case Managements in verschiedenen Bereichen beleuchten:

  1. Pflegebereich:
    • Im Pflegebereich konzentriert sich das Case Management darauf, die Pflege und Betreuung von Patienten zu optimieren. Case Manager arbeiten eng mit Ärzten, Pflegekräften und anderen Fachleuten zusammen, um sicherzustellen, dass die individuellen Bedürfnisse der Patienten erfüllt werden.
    • Sie koordinieren den Pflegeprozess, erstellen Pflegepläne, überwachen die Fortschritte und stellen sicher, dass die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stehen.
  2. Medizinischer Bereich:
    • Im medizinischen Bereich geht es beim Case Management darum, den Behandlungsprozess zu optimieren. Case Manager arbeiten mit Ärzten, Therapeuten und anderen Fachleuten zusammen, um sicherzustellen, dass die Patienten die bestmögliche Versorgung erhalten.
    • Sie koordinieren Termine, unterstützen bei der Medikamenteneinnahme und helfen bei der Bewältigung von Gesundheitsproblemen.
  3. Sozialer Bereich:
    • Im sozialen Bereich liegt der Fokus des Case Managements auf der Unterstützung von Menschen mit sozialen Herausforderungen. Dies kann Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, psychische Gesundheitsprobleme oder andere Schwierigkeiten umfassen.
    • Case Manager arbeiten mit Klienten zusammen, um individuelle Lösungen zu finden. Sie vermitteln zu relevanten Dienstleistungen, unterstützen bei der Antragstellung und begleiten die Klienten auf ihrem Weg zur Selbstständigkeit.
  4. Übergänge und Gemeinsamkeiten:
    • Die Übergänge zwischen den verschiedenen Bereichen sind fließend. Oft teilen sie ähnliche Prinzipien wie die individuelle Bedarfsabstimmung, die Koordination von Ressourcen und die Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten.
    • Case Management tritt sowohl als Fallmanagement (fokussiert auf den Einzelfall) als auch als Systemmanagement (optimiert die Versorgung im größeren Kontext) in Erscheinung. Die beiden Aspekte ergänzen sich oft in der Praxis.

Insgesamt ist das Ziel des Case Managements, individuelle Bedürfnisse zu befriedigen, Ressourcen effektiv zu nutzen und eine umfassende, koordinierte Versorgung zu gewährleisten, unabhängig vom spezifischen Handlungsfeld.

Case Management in der Sozialen Arbeit

In der Sozialen Arbeit steht die Verbesserung der Lebenssituation und die Stärkung der Selbstbestimmung und Selbsthilfekräfte der Adressaten im Fokus. Case Management vereint diese Ziele, indem es die individuellen Bedarfe und Wünsche der hilfebedürftigen Personen erfasst und gezielt Unterstützungsmaßnahmen plant und koordiniert.

Die Schlüsselrolle des Case Managers entspricht dem anwaltschaftlichen Mandat der Sozialen Arbeit. Er vertritt die Interessen des Klienten und befähigt ihn durch Empowerment zur größtmöglichen Selbstbestimmung.

Somit ist Case Management ein zentrales methodisches Konzept der heutigen Sozialen Arbeit. Es integriert ihre Leitprinzipien der Adressatenorientierung, Lebensweltorientierung, Ganzheitlichkeit und Partizipation ideal. Durch die strukturierte Steuerung individueller Versorgungsprozesse leistet es einen Beitrag zur sozialen Integration und Inklusion von Menschen in herausfordernden Lebenslagen.

Analyse des Case Managements in deiner Bachelorarbeit

Möglich wäre eine empirische Untersuchung:

  • Fallstudie zur Umsetzung des Case Managements in einer konkreten Einrichtung oder Organisation (z. B. Jugendamt, Pflegedienst, Klinik)
  • Qualitative Exploration der Sichtweisen und Erfahrungen der beteiligten Case Manager, Klienten und weiteren Akteuren
  • Prozessanalyse zur Koordination und Vernetzung der Hilfen in einem regionalen Versorgungsgebiet
  • Evaluation der Wirksamkeit und des Nutzens von Case Management für die Klienten
  • Untersuchung spezifischer Methoden wie der lösungs- oder ressourcenorientierten Gesprächsführung

Du kannst aber auch eine konzeptionelle Arbeit erstellen:

  • Entwicklung eines spezifischen Case-Management-Ansatzes für ein bestimmtes Handlungsfeld (z. B. Straffälligenhilfe, Frühförderung)
  • Ausarbeitung von Verfahrensstandards, Qualitätskriterien oder ethischen Leitlinien
  • Konzeption zur organisationsübergreifenden Implementierung von Case Management in einer Region/Kommune

Beispieluntersuchungen für deine Bachelorarbeit

  • Eine Bachelorarbeit im Studiengang ‚Soziale Arbeit‘ könnte die Bedingungen für ein klientenzentriertes Case Management in der Wohnungslosenhilfe ethnographisch untersuchen.
  • Im Pflegestudium wäre eine Prozessanalyse denkbar, die den Informationsaustausch und die Kooperation der Case Manager verschiedener Professionen bei der häuslichen Versorgung beleuchtet.
  • Für einen sozialwissenschaftlichen Studiengang könnte das Konzept des Empowerment kritisch auf seine Umsetzung im Case Management für Menschen mit Behinderungen geprüft werden.

Insgesamt bietet das vielschichtige Konzept des Case Managements für die unterschiedlichsten Studiengänge und aus verschiedenen Blickwinkeln heraus ein reichhaltiges Forschungsfeld für Bachelorarbeiten.