Feuerwerksverletzungen an Silvester 2021 in Deutschland: Ein unterschätztes Problem trotz Verkaufsverbots

Jedes Jahr wird der Jahreswechsel weltweit mit bunten Feuerwerken gefeiert. Diese strahlenden Lichter am Himmel sind ein Symbol für Freude, Hoffnung und den Beginn eines neuen Kapitels. Doch hinter dieser glänzenden Fassade verbirgt sich eine weniger bekannte Realität: die Gefahr von Verletzungen durch Feuerwerkskörper. In Deutschland, wo traditionell Silvester mit großem Feuerwerk begangen wird, führte die COVID-19-Pandemie im Jahr 2021 zu einem bemerkenswerten Schritt: einem Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper. Diese Maßnahme sollte nicht nur Menschenansammlungen verhindern, sondern auch die bereits stark belasteten Krankenhäuser entlasten. Aber hat dieses Verbot wirklich zu einer Verringerung der feuerwerksbedingten Verletzungen geführt?

Methodik

Die Studie, die sich über eine Woche vom 28. Dezember 2021 bis zum 3. Januar 2022 erstreckte, sammelte Daten von 171 Hals-Nasen-Ohren-Abteilungen in Krankenhäusern. Ein Fragebogen erfasste Details wie das Datum des Traumas, dessen Art und Behandlung, sowie Alter und Geschlecht der betroffenen Patienten. Besonders beachtet wurde, ob die Verletzungen beim Zünden oder beim Betrachten des Feuerwerks entstanden. Die Schwere der Hörbeeinträchtigung wurde gemäß der WHO-Einteilung bewertet, und es wurden auch begleitende Symptome wie Tinnitus und Schwindel erfasst.

Ergebnisse

Von 37 HNO-Abteilungen, die Daten lieferten, berichteten 21 von insgesamt 50 Fällen von Knalltraumata durch Feuerwerk. Die Betroffenen waren durchschnittlich 29 Jahre alt, überwiegend männlich (41 von 50 Patienten). 22 hatten keinen Hörverlust, während 28 Hörbeeinträchtigungen unterschiedlichen Grades zeigten. 32 Personen litten unter Tinnitus und 3 unter Schwindel. Interessanterweise verletzten sich 20 Personen beim Zünden und 30 als unbeteiligte Zuschauer. Die Einstufung der Hörschäden reichte von leichten bis zu schweren Fällen. Zusätzlich erlitten 11 Personen Brandverletzungen.

Zusammenfassung und Ausblick

Die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass das Verbot von Feuerwerkskörpern während der Silvesterfeierlichkeiten 2021 in Deutschland nicht ausreichte, um alle feuerwerksbezogenen Verletzungen zu verhindern. Ein bedeutsamer Anteil der Verletzungen war so gravierend, dass die Betroffenen in Krankenhäusern behandelt werden mussten. Zudem weisen die Forscher auf die Wahrscheinlichkeit einer erheblichen Anzahl ungemeldeter Fälle hin. Diese Erkenntnisse sind von entscheidender Bedeutung für zukünftige Studien, die darauf abzielen, die Risiken und Folgen des Umgangs mit Feuerwerk genauer zu erfassen und zu verstehen.

Kulturelle und wirtschaftliche Aspekte von Feuerwerk

Feuerwerk, das seine Wurzeln in einer alten asiatischen Tradition hat, spielt heute sowohl in der Kultur als auch in der Wirtschaft eine wichtige Rolle. Trotz der offensichtlichen Risiken und eines kürzlichen Umsatzrückgangs aufgrund des Verkaufsverbots, zeigt der fortwährende Umsatz in der pyrotechnischen Industrie, wie tief verwurzelt und beliebt Feuerwerke in Deutschland sind. Bisherige Forschungen unterstreichen die Gefahren, die mit Feuerwerkskörpern einhergehen, insbesondere die hohen Lärmpegel, die sowohl für diejenigen, die das Feuerwerk zünden, als auch für die unbeteiligten Beobachter ein Risiko darstellen.

Handlungsempfehlungen aus der Studie

Die Studie liefert wertvolle Einblicke in die Risiken, die mit Feuerwerkskörpern verbunden sind, und unterstreicht die Dringlichkeit, sowohl die Öffentlichkeit als auch die politischen Entscheidungsträger über diese Risiken aufzuklären. Sie betont die Notwendigkeit von Sicherheitsmaßnahmen und möglicher gesetzlicher Regulierungen, um insbesondere Kinder und Unbeteiligte zu schützen. Diese Erkenntnisse könnten dazu beitragen, die Sicherheitsstandards zu verbessern und somit zukünftige Verletzungen zu verhindern.

Literatur

Flockerzi, V., Schick, B., die German Acoustic Fireworks-associated Traumata Study (GAFATS) Group. et al. Schlag auf Schlag – Bericht über feuerwerksbedingte Knalltraumata zum Jahreswechsel 2021/2022. HNO 71, 1–7 (2023). https://doi.org/10.1007/s00106-022-01259-6