Mobilitätswende in Deutschland: E-Mobilität als Mittel der Wahl

Laut der Analyse von Wisbert gab es im Jahr 2022 einen neuen Rekord bei den Neuzulassungen von Elektroautos in Deutschland. Insgesamt wurden rund 470.000 Elektrofahrzeuge neu zugelassen. Dies war eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Der positive Trend setzte sich auch im Jahr 2023 fort. Allerdings reicht das Wachstum bei den Neuzulassungen nicht aus, um das im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung festgelegte Ziel von 15 Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Um die Klimaziele für den Verkehrssektor einzuhalten, müsste die Zahl der E-Auto-Neuzulassungen in den kommenden Jahren noch stärker steigen.

SUVs dominieren den Elektroautomarkt - Kleinwagen verlieren an Bedeutung

Ein Großteil der Neuzulassungen von Elektroautos entfällt laut Wisbert auf SUVs. Im Jahr 2021 betrug ihr Anteil an den gesamten E-Auto-Neuzulassungen noch 30 Prozent. Im Jahr 2022 war er bereits auf 43 Prozent gestiegen. Und in den ersten Monaten des Jahres 2023 machten SUVs sogar 55 Prozent der neu zugelassenen Elektroautos in Deutschland aus. Demgegenüber machen Kleinwagen einen immer kleineren Anteil der Elektroauto-Neuzulassungen aus. 2021 betrug ihr Anteil noch 21 Prozent, 2022 nur noch 13 Prozent und Anfang 2023 lediglich 7 Prozent.

Laut Wisbert ist diese Entwicklung zum Teil auf das derzeit verfügbare Modellangebot der Hersteller zurückzuführen. Im Kleinwagen-Segment sind weniger Elektromodelle auf dem Markt als im boomenden SUV-Bereich. Zudem hat die Absenkung der E-Auto-Förderprämie Kleinwagenmodelle preislich unattraktiver gemacht. Insgesamt spiegelt die Entwicklung bei den Neuzulassungen nicht die Nachfragestruktur auf dem Gesamtmarkt wider.

Breiteres Angebot an E-Modellen soll für Absatz-Wachstum sorgen

Um den Hochlauf der Elektromobilität weiter zu unterstützen, weiten die Automobilhersteller ihr Angebot an Elektroautos deutlich aus. Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil von E-Autos an den Verkäufen bei den meisten Herstellern auf bis zu 80 Prozent steigen. Ab dem Jahr 2025 wird aufgrund dieser Modelloffensive ein deutlicher Wachstumsschub beim Absatz von Elektrofahrzeugen erwartet. Viele der neuen Modelle sollen dabei in den absatzstarken Segmenten Kleinwagen und Kompaktwagen positioniert werden.

Allerdings hängt dieser angebotsinduzierte Absatzschub laut Wisbert auch stark von der Preisentwicklung in den kommenden Jahren ab. Die Elektro-Kleinwagen müssen preislich attraktiv sein, um die Nachfrage anzukurbeln.

Wann kommt die Preisparität zwischen E-Autos und Verbrennern?

Aktuell beträgt die Preisdifferenz zwischen vergleichbaren Verbrenner-Modellen und Elektroautos in Deutschland noch immer durchschnittlich rund 10.000 Euro. Laut Wisbert wird die Preisparität zwischen beiden Antriebsarten aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs und neuer Abgasnormen für Verbrenner frühestens ab dem Jahr 2027 erreicht werden.

Die Kostenparität im Sinne gleich hoher variabler Produktionskosten lässt dagegen voraussichtlich noch deutlich länger auf sich warten. Aufgrund der Batteriekomponenten ist sie nach Einschätzung von Experten bis zum Ende des Jahrzehnts kaum zu erreichen. Damit droht den Herstellern eine Phase sinkender Margen.

Ausbau der Ladeinfrastruktur als zentraler Erfolgsfaktor

Für den erforderlichen Markthochlauf der Elektromobilität in den kommenden Jahren ist der weitere zügige Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur in Deutschland entscheidend. Laut Wisbert verfügt Deutschland bereits heute über die meisten Schnellladepunkte in der EU. Jedoch wächst die Ladeinfrastruktur langsamer als die Zahl der Elektrofahrzeuge.

Bis 2030 ist das Ziel von einer Million öffentlichen Ladepunkten gesetzt. Der weitere Ausbau muss massiv forciert werden, um diesem Ziel näher zu kommen. Wichtig sind standardisierte Bezahlsysteme und Verteilung nicht nur entlang von Autobahnen, sondern auch in städtischen Gebieten.

Alternative Kraftstoffe bis 2035 keine realistische Option

In der öffentlichen Debatte um die Mobilitätswende werden auch immer wieder strombasierte synthetische Kraftstoffe (E-Fuels) als Alternative zur Elektromobilität diskutiert. Laut der Analyse von Wisbert können E-Fuels jedoch bis zum Jahr 2035 keinen nennenswerten Beitrag zur Dekarbonisierung des Pkw-Verkehrs leisten.

Selbst bei sehr optimistischen Szenarien zum Ausbau der Produktion könnten im Jahr 2035 nur maximal 50 Prozent des Kraftstoffbedarfs in Deutschland durch E-Fuels gedeckt werden. Realistisch ist auf absehbare Zeit nur eine Deckung von 10 Prozent. E-Fuels machen daher nur im Flug- oder Schiffsverkehr Sinn, nicht aber bei Pkws.

Fazit: Umsteuern auf E-Mobilität ist unabdingbar

Zusammenfassend zeigt die Analyse von Wisbert, dass die Mobilitätswende hin zu einer klimaneutralen Pkw-Flotte ohne eine konsequente Ausrichtung auf die Elektromobilität nicht erreichbar sein wird. Entscheidend sind ein breites Modellangebot in allen Fahrzeugsegmenten, wettbewerbsfähige Preise besonders bei Kleinwagen, der beschleunigte Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie die klare Priorisierung der E-Mobilität gegenüber Alternativen wie E-Fuels. Die Politik ist gefordert, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Literatur:

Wisbert, Helena (2023) : Mobilitätswende in Deutschland: E-Mobilität als Mittel der Wahl, Wirtschaftsdienst, Sciendo, Warsaw, Vol. 103(6), S. 372-375. https://doi.org/10.2478/wd-2023-011

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